In dem Roman "Terror" von Dan Simmons findet sich ein bemerkenswerter Abschnitt hinsichtlich des Synkretismus, den ich meine: Eine Passage aus Hobbes "Leviathan" wird bei eine Schiffsmesse als ein Teil der Bibel verlesen.
Wie der Dichter sagt: "Auf der Suche nach der Nord-West Passage, verlas Crozier den Leviathan wie eine Bibel Passage."
Die Männer brüllten »Amen« und scharrten dankbar mit den wärmer werdenden Füßen.
Jetzt war Francis Crozier an der Reihe.
Die Männer wurden still, aus Ehrerbietung, aber auch aus Neugier. Die Seeleute der Terror wussten, dass sich der Kapitän unter einer Predigt bei einem Gottesdienst die feierliche Verlesung von Paragraphen der Schiffsordnung vorstellte: »Weigert sich ein Mann, dem Befehle eines Offiziers Folge zu leisten, wird dieser Mann ausgepeitscht oder hingerichtet, welche Strafe der Kapitän zu bestimmen hat. Begeht ein Mann Sodomie mit einem anderen Besatzungsmitglied oder einem Tier an Bord, wird dieser Mann hingerichtet …« Für Croziers Zwecke besaß die Seemannsordnung genau die richtige Ausdruckskraft und Bedeutungsschwere.
Aber heute passte das nicht. Crozier griff in das Fach unter der Kanzel und zog einen schweren, ledergebundenen Folianten heraus. Mit einem dumpf hallenden Laut legte er ihn auf das Pult.
»Heute«, hob er mit voller Stimme an, »lese ich aus dem Buche Leviathan, erster Teil, zwölftes Kapitel.«
Durch die Menge der Seeleute ging ein Raunen. Aus der dritten Reihe hörte Crozier das Murren eines zahnlosen Seebären von der Erebus: »Ich kenn die verdammte Bibel, da gibt’s kein verdammtes Buch Leviathan.«
Crozier wartete, bis es völlig still wurde.
»Was jenen Theil der Religion betrifft, welcher aus unsichtbar wirkenden Mächten besteht .. . «
Croziers Betonung und alttestamentarische Gewichtigkeit ließen keinen Zweifel daran, auf welche Worte es ihm besonders ankam.
»... so wurde von einigen heidnischen Völkern alles, was nur einen Namen hat, für einen Gott oder Teufel gehalten. Ja, es gab keine Sache, keinen Ort, wovon nicht ihre Dichter glaubten: er werde von irgendeinem Geiste beseelt, bewohnt oder besessen. Der unausgebildete Weltstoff wurde für einen Gott gehalten und Chaos genannt. Himmel, Erde, Meer, Planeten, Feuer, Winde waren insgesamt Gottheiten. Männer, Weiber, Krokodil!, Kalb, Hund, Schlange, Lauch, Zwiebel, kurz alles wurde vergöttert. Jeder Ort wimmelte von Dämonen, die Ebene von großen und kleinen Panen, das Meer von Tritonen und Wassernymphen. Jeder Fluß, jede Quelle hatte einen Geist gleichen Namens, jedes Haus seine Laren oder Hausgötter, jeder Mensch seinen Genius oder Schutzgeist. Auch in der Hölle wohnten Geister und Höllendiener wie Charon, Cerberus und die Furien, und des Nachts erschienen die Laren und Lemuren, die Geister der Verstorbenen und ganze Heerscharen von Feen und Kobolten. Auch den Eigenschaften erbaueten sie Tempel, als wären sie Gottheiten — zum Beispiel der Zeit, dem Tage, der Nacht, dem Frieden, der Eintracht, der Liebe, dem Kriege, dem Siege, der Tapferkeit, der Ehre, der Gesundheit, dem Brande im Korn, dem Fieber —‚ zu welchen oder wider welche sie beteten, als gäbe es wahrhaftig Geister dieses Namens, die über ihnen schwebten und es vermochten, das Gewünschte oder Gefürchtete auf sie niederfallen zu lassen oder fernzuhalten. Sogar ihren eigenen Witz riefen sie als Muse an, ihre Unwissenheit als Fortuna oder Glücksgöttin, ihre Wollust als Kupido, ihren Zorn als Furie, ihr Schamglieder als Priapus, und ihre unwillkürlichen Ergießungen schrieben sie dem Wirken von Incubi und Succubae zu. Kurz, was immer ein Dichter als Person in seine Werke einfügen mochte machten sie zu einem Gott oder Teufel.«
Crozier hielt inne und blickte zu den weißen Gesichtern auf »Und so endet das zwölfte Kapitel des ersten Teils des Buches Leviathan.« Damit schloss er den wuchtigen Band.
»Amen«, schallte es von den glücklichen Seeleuten zurück.
Dan Simmons, Terror, Heyne München 2007, S. 322ff
26.9.09
Laskerd

Laskerd ist ein eigenartiges Dorf. Man stelle sich einen enormen Turm mit einem Umfang von 200 Metern und 20 Metern Höhe vor, schon hat man die Behausungen. Nach der Eingangstüre, die nur mannshoch ist, führt ein sehr enger gewölbter Gang ins Innere. Dort stehen Gerüste ohne irgendein System aufeinander gebaut, die sich nur wie durch ein unbegreifliches Wunder im Gleichgewicht halten. Stampft man mit dem Fuß auf vibriert das ganze Gemäuer, aus dem ein schrecklicher, Übelkeit erregender Gestank kommt. In einer bestimmten Höhe haben die Bewohner des Turms Balken in die Mauern eingelassen, mit deren Hilfe sie Außenbalkone gebaut haben.
Die Bevölkerung von Laskerd besteht aus 120 Familien, nicht gezählt diejenigen, die im Turm kein noch so kleines Gerüst mehr aufstellen konnten und deshalb in Häusern zu ebener Erde rundherum wohnen müssen. Weder innen noch außen am Turm gibt es Treppen. Wenn die Sonne untergegangen ist, werden die Kinder mit einem Seil an einem Bein festgebunden. Sie können dann frei auf den Balkonen herumlaufen. Sollte bei Dunkelheit eines hinunterfallen, schreckt es durch Geschrei die Eltern, die dann nur das Seil einzuziehen brauchen.
Laskerd wird auch „Pohk Kaleh“ genannt, und zwar wegen der senkrecht gemalten Linien an den Seiten des Turmes, der aus fast weißem Lehm gebaut ist. Eine Süßwasserquelle versorgt das Dorf. Nahe beim Dorfeingang wurde ein kleines Gebetshaus verrichtet, das sich ganz eigenartig von der übrigen Landschaft abhebt.
Wann dieses luftige Dorf gegründet wurde, weiß man nicht. Die Bewohner behaupten, es wäre von Geistern errichtet worden, die dieses Land vor sehr langer Zeit bewohnten. Eines aber ist sicher: Die Einwohner wollten sich auf diese Weise gegen räuberische Überfälle und dergleichen schützen, die in diesem Gebiet häufig vorkamen. Dieser große weiße Turm, der sich über die umliegenden Felder und Gärten und die bläulichen Linien der Berge erhebt, ist unwahrscheinlich malerisch.
Henry de Couliboeuf de Blocqueville, Gefangener bei den Turkomanen 1860-1861 im Grenzgebiet von Turkestan und Persien, Nomad Press Nürnberg 1980, S. 19f
17.9.09
In der Essenz sahih
Mit Aurangzeb gleichen Profils
Abu Zeyneb Vater des Stils;
große Dichter lernen von ihm,
zu errichten ein Regime
als Weltsystem nach Wallerstein;
Imam von Hamburg und Berlin;
Infam, Demiurg, Alchemie;
Heinrich Khunrath war ein Genie;
ein Mann der Tat, der Theorie;
auf dem Siraat: Philosophie;
im Audimax: Theosophie;
von den Awacs erst observiert,
dann von der Nato attackiert;
wie hat schon Plato insistiert:
Atlantis ist surrogativ
als Gleichnis rein kontemplativ;
Erkenntnis, die so lange schlief,
bis ich sie wieder hervorrief;
Dichtung nahezu fatal siech
wurde durch mich zu einer
Dichtung in der Essenz sahih!
Abu Zeyneb Vater des Stils;
große Dichter lernen von ihm,
zu errichten ein Regime
als Weltsystem nach Wallerstein;
Imam von Hamburg und Berlin;
Infam, Demiurg, Alchemie;
Heinrich Khunrath war ein Genie;
ein Mann der Tat, der Theorie;
auf dem Siraat: Philosophie;
im Audimax: Theosophie;
von den Awacs erst observiert,
dann von der Nato attackiert;
wie hat schon Plato insistiert:
Atlantis ist surrogativ
als Gleichnis rein kontemplativ;
Erkenntnis, die so lange schlief,
bis ich sie wieder hervorrief;
Dichtung nahezu fatal siech
wurde durch mich zu einer
Dichtung in der Essenz sahih!
Mekkanische Vernichtungen 2
Im Bettlergewand
Imperativ nach Immanuel Kant,
kontemplativ wie Sufis in Samarkand,
meine Weisheiten bleiben unerkannt,
wie ein reicher Reisender im Bettlergewand!
Imperativ nach Immanuel Kant,
kontemplativ wie Sufis in Samarkand,
meine Weisheiten bleiben unerkannt,
wie ein reicher Reisender im Bettlergewand!
Familistisch, ethnozentristisch:
Migranten selbst rassistisch;
Garanten im Test, faschistisch gegen den Rest;
wegen der Pest kam Nostradamus,
umgeben von einem Nimbus;
erdolchen beim Bruderkuss,
so wird man seine Freunde los;
ich vergeude bloß meine Zeit mit euch;
was habe ich schon bereut
und beging es dann erneut;
mir meine Chancen verbaut;
Schicksal wie Eis, das nie taut;
so will ich denn auch mein Dasein fristen
als Säulenheiliger; die Haut in Krusten;
das Haupt zerhackt von Raben;
Maden, die an mir nagen;
mich vollkommen dieser Welt entsagen,
nur verschwommen kann ich sie noch gewahren,
doch sehe ich die Planeten auf Bahren:
Das Universum stirbt in meinen Armen –
Oh Herr, habe Erbarmen!
Imperativ nach Immanuel Kant,
kontemplativ wie Sufis in Samarkand,
meine Weisheiten bleiben unerkannt,
wie ein reicher Reisender im Bettlergewand!
Imperativ nach Immanuel Kant,
kontemplativ wie Sufis in Samarkand,
meine Weisheiten bleiben unerkannt,
wie ein reicher Reisender im Bettlergewand!
Archaik, Tektonik, Methodik und Logik –
gehalten alles in Sufi-Gotik;
Ibn Arabi Exegese – William C. Chittik; [1]
innerweltliche Askese;
die Max Weber These
Protestantismus-Kapitalismus
heißt in meinem Kontext:
Islamismus-Synkretismus;
Geist, der sich neu vernetzt;
die Aura wird gecheckt von Aurangzeb;
auferstanden doch unverstanden;
andere Dichter sind nur Schlachtvieh mit Girlanden,
nie mehr als Chemie-Probanden
mit zerfressenem Gehirn;
meine Verse sind in der Essenz ein Gestirn,
das heller strahlt, das heller strahlt,
als es selbst mein Nafs sich manchmal ausmalt! [2]
Imperativ nach Immanuel Kant,
kontemplativ wie Sufis in Samarkand,
meine Weisheiten bleiben unerkannt,
wie ein reicher Reisender im Bettlergewand!
Imperativ nach Immanuel Kant,
kontemplativ wie Sufis in Samarkand,
meine Weisheiten bleiben unerkannt,
wie ein reicher Reisender im Bettlergewand!
„Globale Eliten, lokale Autoritäten“; [3]
Gedanken sind Kalifen, Allahs Schatten auf Erden;
„Globale Eliten, lokale Autoritäten“;
Gedanken sind Kalifen, Allahs Schatten auf Erden;
Synkretistische Dichtungen, Mekkanische Vernichtungen;
Synkretistische Dichtungen, Mekkanische Vernichtungen
von Abu Zeyneb wesensgleich,
wesensgleich mit dem Ghetto Scheich!
[1] William C. Chittick is a leading translator and interpreter of classical Islamic philosophical and mystical texts. He is best known for his groundbreaking work on Rumi and Ibn 'Arabi, and has written extensively on the school of Ibn 'Arabi, Islamic philosophy, Shi'ism, and Islamic cosmology. (Wikipedia)
[2] Nafs arab. Seele, Triebseele
[3] Richard Münch 2009: Globale Eliten, lokale Autoritäten. Bildung und Wissenschaft unter dem Regime von PISA, McKinsey & Co. Frankfurt a.M.: Suhrkamp
22.7.09
Mekkanische Vernichtungen 1
„Die islamistische Ethik und der Geist des Synkretismus“
Von Mekkanischen Eröffnungen
zu ebensolchen Vernichtungen;
Muslime aller Glaubensrichtungen
verehren meinen Diwan
als Mutter aller Dichtungen;
eingeschlossen in ihren Gebeten
wie Muhammad Siegel der Propheten:
Abu Zeyneb Siegel aller Dichter;
lyrischer Scharfrichter
im syrischen Zustand Hal Suryaniya;[1]
Futuhat al Makkiya im neuen Gewand;[2]
am Ende steht kein Sieger
weder ich noch irgendjemand
nur Verlierer allenthalben;
das goldene Kalb ist ausgewachsen
und beginnt zu kalben;
es gebiert eine Erde mit mehreren Achsen;
erst negiert: so entwerde!
Dann bejaht: so verstehe!
Multidimensionales Multiversum;
multilaterales Ultimatum;
die Ummah ist nicht zu beruhigen;
von den Kabylen zu den Uiguren;
von allen Stilen und Kulturen
nur einer von vielen
eingebettet in Strukturen,
die schon ewig bestehen,
doch scheinbar erst jetzt
in diesen Versen entstehen!
Imperativ nach Kant kontemplativ erkannt;
iterativ riskant; konsekutiv markant;
zum Statthalter ernannt und danach verbannt!
Imperativ nach Kant kontemplativ erkannt;
iterativ riskant; konsekutiv markant;
zum Statthalter ernannt und danach verbannt!
Zum Statthalter ernannt und danach verbannt!
Nicht nur euphorisch sondern exlamatorisch;
in Todesangst provisorisch verschanzt,
die Hand verkrampft
um das entscheidende Dokument;
Reime, die ich meine,
wegweisende aber niemand kennt;
ich sage es mit Faust:
„Es ist mir nur noch Staub!“[3]
Ich frage mich denn auch,
wessen ist der Unterpfand,
dessen man sich entsann
zur Genese der nationalen Idee?
Die Askese im Rationalen passé?
Nein wohl kaum,
sie erobert immer neuen Lebensraum;
wer Wein ordert, darf ihn kosten;
die Nazis wollten das im Osten;
wir Sufis sollten das durch Fasten;
Abstand von irdischen Dingen;
ich vernehme ein unwirkliches Singen;
die Sirenen scheinen zugegen;
in den Venen reinen Giftes Substrat;
weswegen Heinrich Khunrath [4]
hast du es abgemischt?
Zu beenden meine Irrfahrt,
dass mein Odem erlischt?
Wie Odysseus nur ohne Zeus
eine Rihla durch Raum und Zeit; [5]
ich bin dazu bereit;
geschrieben in Weisheit
gleich der von Ibn Jubayr; [6]
Gegenkalif wie Abdullah Ibn Zubayr; [7]
tief hinter feindlichen Linien;
sind meine Insignien: Armut, Demut
und die Reflexion in Wehmut!
Imperativ nach Kant kontemplativ erkannt;
iterativ riskant; konsekutiv markant;
zum Statthalter ernannt und danach verbannt!
Imperativ nach Kant kontemplativ erkannt;
iterativ riskant; konsekutiv markant;
zum Statthalter ernannt und danach verbannt!
Zum Statthalter ernannt und danach verbannt!
Das Wenige, was ich suchte
war das Viele, was ich wusste;
was mich auch verfluchte,
um es zu besiegen, musste
ich die heilende Kraft der Ohnmacht
umwandeln in die sengende Kraft der Allmacht;
die beengende Stille ersterer
wurde zur befreienden letzterer;
im ewig Seienden aufgehoben,
in einer Art darin verwoben,
doch der Gegenwart vollkommen enthoben;
verschwommen nur, schemenhaft,
gleichsam in Festungshaft;
eine Existenz, keine Existenz;
eine Reminiszenz an Ibn Arabi:
Es klingt nach Blasphemie
und ist doch in der Essenz Sahih!
Eine Reminiszenz an Ibn Arabi
Es klingt nach Blasphemie
und ist doch in der Essenz Sahih!
Meine Version des Synkretismus
nur um Nuancen anders als der Islamofaschismus,
alles versinkt in einem blutroten Meer
wie die Revolution der Roten Khmer!
Meine Version des Synkretismus
nur um Nuancen anders als der Islamofaschismus,
alles versinkt in einem blutroten Meer
wie die Revolution der Roten Khmer!
Das letzte Kapitel im „Fihrist“:[9]
Was macht der Alchemist?
Die letzte Strophe des Gedichts;
Andacht noch angesichts
der Neurowissenschaft;
ich folge Euro-Islam gewissenhaft;
Vordenker einer Schule,
die ihren Ursprung hat in Thule;
immer am Abgrund;
etwas weiter und ich falle;
Wegbereiter, der uns alle
durch Geheimwissen inspirierte,
das er in Gleichnissen transferierte;
frei von jedweder Apologetik;
Frei nach Max Weber
„Die protestantische Ethik
und der Geist des Kapitalismus“:
die islamistische Ethik
und der Geist des Synkretismus!
[1] Der „mystischen Zustand des syrischen Typs“ in den Erklärungen zu Tarjuman al Aschwaq von Ibn Arabi. Vgl Alma Giese (Hrsg.) „Urwolke und Welt“, C.H. Beck Verlag 2002, S. 247.
[2] The Meccan Illuminations (Al-Futuhat al-Makkiyya), Ibn Arabis largest work in 37 volumes originally and published in 4 or 8 volumes in modern times, discussing a wide range of topics from mystical philosophy to Sufi practices and records of his dreams/visions. (Wikipedia)
[3] „Denn es ist mir nur noch Staub, was diesem Raum den Platz raubt“ Zitat aus meiner Faust Interpretation.
[4] Heinrich Khunrath (* 1560 in Leipzig; † 9. September 1605) war ein deutscher Arzt, Alchemist und Kabbalist. (Wikipedia)
[5] Rihla arabisch Reise; Anspielung auf die sog. Rihla Literatur islamischer Gelehrter s.u. Ibn Jubayr.
[6] Ibn Jubayr (* 1145 in Valencia, Spanien; † 1217 in Alexandria, Ägypten) war ein arabischer Geograph und Reiseschriftsteller. Als Postbeamter des almohadischen Gouverneurs von Granada unternahm er drei ausgedehnte Reisen: 1183 eine Pilgerreise nach Mekka über Sardinien, Sizilien, Kreta, Ägypten, Irak und Syrien; 1189–1191 über Syrien und Irak nach Persien; 1217 nach Ägypten. Dschubair gilt als Begründer der als Rihla bekannten Erlebnisberichte in anschaulicher Tagebuchform, seine Werke wurden Vorbild für Berichte späterer Pilger. (Wikipedia)
[7] Abd Allah al-Zubayr or Ibn Zubayr or Abdullah ibn az-Zubayr' (624 - 692) was a sahabi whose father was Zubayr ibn al-Awwam, and whose mother was Asma bint Abi Bakr, daughter of the first Caliph Abu Bakr. He was the nephew of Aisha, Muhammad's third wife.
[8] Sahih is an Islamic term that means authentic. It is commonly used to describe the authenticity of a Hadith. (Wikipedia)
[9] Ibn an-Nadim (gest. 17. September 995 oder 998) war ein schiitischer Gelehrter, Bibliograph und Buchhändler. Bekannt wurde er als Autor des enzyklopädischen Werkes Kitab al-Fihrist, „Index“ oder „Katalog“. (Wikipedia) Das letzte Kapitel des Buches behandelt die Alchemia.
[2] The Meccan Illuminations (Al-Futuhat al-Makkiyya), Ibn Arabis largest work in 37 volumes originally and published in 4 or 8 volumes in modern times, discussing a wide range of topics from mystical philosophy to Sufi practices and records of his dreams/visions. (Wikipedia)
[3] „Denn es ist mir nur noch Staub, was diesem Raum den Platz raubt“ Zitat aus meiner Faust Interpretation.
[4] Heinrich Khunrath (* 1560 in Leipzig; † 9. September 1605) war ein deutscher Arzt, Alchemist und Kabbalist. (Wikipedia)
[5] Rihla arabisch Reise; Anspielung auf die sog. Rihla Literatur islamischer Gelehrter s.u. Ibn Jubayr.
[6] Ibn Jubayr (* 1145 in Valencia, Spanien; † 1217 in Alexandria, Ägypten) war ein arabischer Geograph und Reiseschriftsteller. Als Postbeamter des almohadischen Gouverneurs von Granada unternahm er drei ausgedehnte Reisen: 1183 eine Pilgerreise nach Mekka über Sardinien, Sizilien, Kreta, Ägypten, Irak und Syrien; 1189–1191 über Syrien und Irak nach Persien; 1217 nach Ägypten. Dschubair gilt als Begründer der als Rihla bekannten Erlebnisberichte in anschaulicher Tagebuchform, seine Werke wurden Vorbild für Berichte späterer Pilger. (Wikipedia)
[7] Abd Allah al-Zubayr or Ibn Zubayr or Abdullah ibn az-Zubayr' (624 - 692) was a sahabi whose father was Zubayr ibn al-Awwam, and whose mother was Asma bint Abi Bakr, daughter of the first Caliph Abu Bakr. He was the nephew of Aisha, Muhammad's third wife.
[8] Sahih is an Islamic term that means authentic. It is commonly used to describe the authenticity of a Hadith. (Wikipedia)
[9] Ibn an-Nadim (gest. 17. September 995 oder 998) war ein schiitischer Gelehrter, Bibliograph und Buchhändler. Bekannt wurde er als Autor des enzyklopädischen Werkes Kitab al-Fihrist, „Index“ oder „Katalog“. (Wikipedia) Das letzte Kapitel des Buches behandelt die Alchemia.
8.7.09
Mekkanische Vernichtungen: Auftakt
Lasst uns das Brot nun gemeinsam brechen!
Alle gegenseitigen Verbrechen
seien darob vergeben, vergessen,
weihen wir doch Gott dieses Festessen;
an seiner Tafel: Freunde und Feinde;
hehre synkretistische Gemeinde!
Zuerst verneine, so dann bejahe;
gleich der Shahada, das La Ilaha
danach Illa llah; was einst Rinnsal war,
ward zu einem Strom; karg wie Kandahar
so endete Rom; Opfer am Altar
im lyrischen Dom; „der syrischen Art“ [1]
aus der Gegenwart einer Bergfestung,
die das Tal beherrscht, zu der Versenkung
eines Bergklosters, sei mein „Hal“, so dass
ich wie letzteres im wahnhaften Hass
etwas besseres hervorbringen kann;
bis zum letzten Mann auf Wink meiner Hand;
die „Armeen im Sand“ von John Sabini; [2]
Sulayman Hilmi reiste in Armut [3]
lehrte die Anmut der Religion
Analphabeten seiner Region
und heute beten die V.I.K.Z. [4]
gleichsam im KZ; Gedankeninzest;
Garanten im Test; wahrlich im Verlust
wenn auch unbewusst; Krieg bedeutet Flucht
Sieg bedeutet Sucht; Wer bringt mir den Kopf,
abgetrennt vom Rumpf mit scharfer Klinge
im ewigen Kampf, des Herrn der Ringe?
Des Herrn der Dinge erzeugte Wirren,
darin sie irren: Menschen wie Tiere;
ich insistiere: in mir ist Allmacht!
Kontemplatiere sie in der Andacht
wie als Widerhall dieser Welt im All
was einst war Wallhall, wurde zum Mahmal [5]
und ist nun der Geist, nicht „der stets verneint“ [6]
sondern mich anheißt, dass nunmehr vereint:
das Diesseits – es gleißt, das Jenseits – es scheint
in den Versen des Reichs – des Ghettos, des Scheichs!
[1] Anspielung auf den „mystischen Zustand des syrischen Typs“ in den Erklärungen zu Tarjuman al Aschwaq von Ibn Arabi. Vgl Alma Giese (Hrsg.) „Urwolke und Welt“, C.H. Beck Verlag 2002, S. 247.
[2] John Sabini, „Armies in the Sand: The Struggle for Mecca and Medina” Thames and Hudson 1981.
[3] Süleyman Hilmi Tunahan (* 1888 im Dorf Ferhatlar im damals osmanischen Regierungsbezirk Silistre - heute Delchevo im Bezirk Razgrad in Bulgarien; gest. 16 September 1959 in Üsküdar, Istanbul) war ein bedeutender islamischer Gelehrter des 20. Jahrhunderts. Auf seine Lehren berufen sich in Deutschland insbesondere die im Verband der islamischen Kulturzentren zusammengeschlossenen Moscheegemeinden.(Wikipedia)
[4] Verband der Islamischen Kulturzentren, Süleymancis
[5] Vgl. zum Mahmal in diesem Blog den ausführlichen Eintrag unter der Kategorie Hajj Recherche Projekt.
[6] Mephistos Ausspruch in Faust: „Ich bin der Geist, der stets verneint! Und das mit Recht, denn alles, was entsteht, ist wert, daß es zugrunde geht; Drum besser wär's, daß nichts entstünde. So ist denn alles, was ihr Sünde, Zerstörung, kurz, das Böse nennt, mein eigentliches Element.“
[2] John Sabini, „Armies in the Sand: The Struggle for Mecca and Medina” Thames and Hudson 1981.
[3] Süleyman Hilmi Tunahan (* 1888 im Dorf Ferhatlar im damals osmanischen Regierungsbezirk Silistre - heute Delchevo im Bezirk Razgrad in Bulgarien; gest. 16 September 1959 in Üsküdar, Istanbul) war ein bedeutender islamischer Gelehrter des 20. Jahrhunderts. Auf seine Lehren berufen sich in Deutschland insbesondere die im Verband der islamischen Kulturzentren zusammengeschlossenen Moscheegemeinden.(Wikipedia)
[4] Verband der Islamischen Kulturzentren, Süleymancis
[5] Vgl. zum Mahmal in diesem Blog den ausführlichen Eintrag unter der Kategorie Hajj Recherche Projekt.
[6] Mephistos Ausspruch in Faust: „Ich bin der Geist, der stets verneint! Und das mit Recht, denn alles, was entsteht, ist wert, daß es zugrunde geht; Drum besser wär's, daß nichts entstünde. So ist denn alles, was ihr Sünde, Zerstörung, kurz, das Böse nennt, mein eigentliches Element.“
29.6.09
From Verdun to the Ka'ba
“Throughout the period of the Hajj Amir Husayn manifested continuous signs of his favor toward our representatives and pilgrims. He named Si Kaddour and Commander Cadi to assist in the annual cleansing of the Bayt Allah, a much appreciated honor. At the solemn prayer which followed the ceremony the Amir took up his position at the place, marked with a marble slab, where Muhammad had prayed and had Si Kaddour stand beside him, and then, before he gave die signal for prayer to begin, said to Commander Cadi in a bad voice, “From Verdun to the Ka’ba!” which made a deep impression on the thousands in attendance, since at that time everyone knew that if the Allies were not defeated, it was because the French, alone, had held at Verdun.
The pilgrimage left Mecca on the 6th for Mount Arafat where the Great Feast was celebrated on the 8th. The number of pilgrims was estimated at 3 0,000. The Grand Sharif was favorably received throughout. He had his band play the “Marseillaise“ at Arafat in honor of the pilgrims and reviewed the troops of Aziz Ali al-Misri—one squadron, 2 infantry companies, 2 mountain batteries, composed of Turkish deserters or prisoners and an Egyptian detachment.”
General Edouard Bremond: Le Hijaz dans la Guerre Mondiale. Paris: Payot, 1931. 52ff. As cited in Peter, F.E.: The Hajj. The Muslim Pilgrimage To Mecca And The Holy Places. Princeton, New Jersey: Princeton University Press, 1996 S. 326
The pilgrimage left Mecca on the 6th for Mount Arafat where the Great Feast was celebrated on the 8th. The number of pilgrims was estimated at 3 0,000. The Grand Sharif was favorably received throughout. He had his band play the “Marseillaise“ at Arafat in honor of the pilgrims and reviewed the troops of Aziz Ali al-Misri—one squadron, 2 infantry companies, 2 mountain batteries, composed of Turkish deserters or prisoners and an Egyptian detachment.”
General Edouard Bremond: Le Hijaz dans la Guerre Mondiale. Paris: Payot, 1931. 52ff. As cited in Peter, F.E.: The Hajj. The Muslim Pilgrimage To Mecca And The Holy Places. Princeton, New Jersey: Princeton University Press, 1996 S. 326
27.5.09
Einhörner in der Moschee von Mekka
Almost all the visitors to Mecca take note of the pigeons in the Hand recount one or other of the legends current about them. But Varthema [Ludovico di Varthema, c. 1470-1517] saw there what no other visitor recorded, either before or since.
In another part of the said temple is an enclosed place in which there are two live unicorns, and these are shown as very remarkable objects which they certainly are. I will tell you how they are made. The elder is formed like a colt of thirty months old, and he has a horn in his forehead, which horn is about three braccia [nearly six feet] in length. The other unicorn is like a colt of one year old, and he has a horn of about four palmi long [about sixteen inches]. The color of the said animal resembles that of a dark bay horse, and his head resembles that of a stag; his neck is not very long, and he has some thin and short hair which hangs on one side; his legs are slender and lean like those of a goat; the foot is a little cloven in the fore part, and long and goat-like, and there are some hairs on the hind part of the said leg. Truly this monster must be a very fierce and solitary animal. These two animals were presented to the Sultan of Mecca as the finest things that could be found in the world at the present day, and as the richest treasure ever sent by a king of Ethiopia, that is, by a Moorish king. He made this present in order to secure an alliance with the said Sultan of Mecca. (Varthema 1863: 49)
Whatever said animal was, Varthema certainly knew what he saw. Possibly a unicorn.
F.E. Peters: Mecca. A Literary History of the Muslim Holy Land. Princeton, New Jersey: Princeton University Press, 1994. S. 172f.
F.E. Peters: Mecca. A Literary History of the Muslim Holy Land. Princeton, New Jersey: Princeton University Press, 1994. S. 172f.
15.5.09
Ibn Malih "Labsal dessen..."
Der Anfang eines im Vergleich zu Ibn Jubayr, Ibn Battuta u.a. nahezu unbekannten Pilgerfahrtberichtes:
Als mich die Winde der Sehnsucht heftig erschütterten und das Herz mit den Flügeln des Verlangens schlug, jene Horizonte zu erblicken, und als Gott mir die Gnade gewährte, auf den Schiffen der Annehmlichkeit zu jenem bedeutenden Herrn abzureisen, und da die Schicksalsfügungen an den Ausgangspunkten und den Zielorten günstig waren [und ich] auf der Hin- und auf der Rückreise von der Hecke des Edelmutes umfangen und von den Zelten des Wohlbefindens und der Gesundheit umfaßt wurde, widmete ich meinen Eifer und mein Sinnen der Aufzeichnung meiner Reise und meiner Wanderung sowie der Erwähnung ihrer Anfangs- und Endpunkte im Text gemäß der Anzahl der Etappen und den Namen der Lagerplätze und Wasserstellen, und so verfaßte ich diese Reisebeschreibung und nannte sie
von den Regionen des Sonnenuntergangs zum Ziel der Hoffnungen und Wünsche [sc. Mekka und Medina] ‚ zum Herrn der Araber und Nichtaraber - Gott segne ihn und schenke ihm Heil. Wir bitten Gott um rechte Leitung und um Gelingen auf den besten Weg. Gerne gestehe ich den berühmten Gelehrten, den Führern der Menschheit, den Meistern in Prosa und Dichtung [meine] Schwäche mein] Unvermögen und [meine] Unfähigkeit darin, trefflich und gekonnt zu formulieren, und ich bitte sie um den Gefallen, über Fehler und eitles Gerede sowie über Mängel und Irrtümer, die sie möglicherweise entdecken, hinwegzugehen. Ich bitte Gott um rechte Leitung, denn Er verleiht Erfolg, wem Er will, und es gibt keine Macht und keine Kraft außer bei Gott dem Erhabenen und Mächtigen.
Sabine Schupp: Labsal dessen, der bei Tag und bei Nacht reist. Ibn Malihs Uns as-sari was-sarib. Ein marokkanisches Pilgerbuch des frühen 17. Jahrhunderts. Berlin: Klaus Schwarz Verlag 1985. S. 19f
Als mich die Winde der Sehnsucht heftig erschütterten und das Herz mit den Flügeln des Verlangens schlug, jene Horizonte zu erblicken, und als Gott mir die Gnade gewährte, auf den Schiffen der Annehmlichkeit zu jenem bedeutenden Herrn abzureisen, und da die Schicksalsfügungen an den Ausgangspunkten und den Zielorten günstig waren [und ich] auf der Hin- und auf der Rückreise von der Hecke des Edelmutes umfangen und von den Zelten des Wohlbefindens und der Gesundheit umfaßt wurde, widmete ich meinen Eifer und mein Sinnen der Aufzeichnung meiner Reise und meiner Wanderung sowie der Erwähnung ihrer Anfangs- und Endpunkte im Text gemäß der Anzahl der Etappen und den Namen der Lagerplätze und Wasserstellen, und so verfaßte ich diese Reisebeschreibung und nannte sie
“Labsal dessen, der bei Tag und bei Nacht reist“
von den Regionen des Sonnenuntergangs zum Ziel der Hoffnungen und Wünsche [sc. Mekka und Medina] ‚ zum Herrn der Araber und Nichtaraber - Gott segne ihn und schenke ihm Heil. Wir bitten Gott um rechte Leitung und um Gelingen auf den besten Weg. Gerne gestehe ich den berühmten Gelehrten, den Führern der Menschheit, den Meistern in Prosa und Dichtung [meine] Schwäche mein] Unvermögen und [meine] Unfähigkeit darin, trefflich und gekonnt zu formulieren, und ich bitte sie um den Gefallen, über Fehler und eitles Gerede sowie über Mängel und Irrtümer, die sie möglicherweise entdecken, hinwegzugehen. Ich bitte Gott um rechte Leitung, denn Er verleiht Erfolg, wem Er will, und es gibt keine Macht und keine Kraft außer bei Gott dem Erhabenen und Mächtigen.
Sabine Schupp: Labsal dessen, der bei Tag und bei Nacht reist. Ibn Malihs Uns as-sari was-sarib. Ein marokkanisches Pilgerbuch des frühen 17. Jahrhunderts. Berlin: Klaus Schwarz Verlag 1985. S. 19f
13.5.09
Diwanisches Exil
„Gott, der Eisen wachsen ließ“
und zu Weisen mich anhieß,
kundzutun das Paradies
in Versen; doch das Verlies
auf Erden noch mir den Sieg
unerreichbar macht im Krieg,
dessen letzte Schlacht Abschied
bedeutet von meinem Lied
der Vernichtung, die ich rief
durch die Dichtung, die mich tief
umformte bis zum Hanif;
jeder Gedanke Kalif;
Jeder Atemzug Wazir;
die Menschheit zerfetzt in mir;
Armageddon jetzt und hier;
das Panorama ist schier
unermesslich; weiß ich viel;
unvergesslich – nur ich fiel;
alles endlich – nur mein Stil,
gespeist aus Euphrat und Nil,
bleibt in Raum und Zeit stabil;
das diwanische Exil
aus dem Wahnsinn zu einem
synkretistischen Profil!
und zu Weisen mich anhieß,
kundzutun das Paradies
in Versen; doch das Verlies
auf Erden noch mir den Sieg
unerreichbar macht im Krieg,
dessen letzte Schlacht Abschied
bedeutet von meinem Lied
der Vernichtung, die ich rief
durch die Dichtung, die mich tief
umformte bis zum Hanif;
jeder Gedanke Kalif;
Jeder Atemzug Wazir;
die Menschheit zerfetzt in mir;
Armageddon jetzt und hier;
das Panorama ist schier
unermesslich; weiß ich viel;
unvergesslich – nur ich fiel;
alles endlich – nur mein Stil,
gespeist aus Euphrat und Nil,
bleibt in Raum und Zeit stabil;
das diwanische Exil
aus dem Wahnsinn zu einem
synkretistischen Profil!
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