6.10.06

Zitat aus "Zion und Islam" von Tono Kaiser

Der Mufti in Delhi ist rein äußerlich scheinbar nur Theologe. Ich wurde im Bibliotheksraum empfangen, der meist auch als Schulungsraum benutzt wird, und selber einem Moscheeinnerem gleicht. Die Grundsätze des politischen Handelns glaubte der Mufti im Koran niedergelegt zu finden. Solange Islam darin die einzige Maxime seines Handelns erblickt, wird er wohl als englisches Werkzeug gegen Andersgläubige wirken, nicht aber zu einer Macht erwachsen, die dem internationalen Intrigenspiel gewachsen sein würde und die ihren politischen Zielen zuliebe so manche konfessionelle selbst artgebundene religiöse Gesellschaftstradition opfern müsste.[1]

[1] Allerdings sieht der Koran noch die Möglichkeit des Djihad vor, des „Heiligen Krieges“. Dieser beruht auf 4 Absichten und Grundsätzen; 1. Förderung des Rechten; 2. Vermeidung des Unrechten; 3. Beständigkeit in der Treue; 4. Groll gegen unheilvolle Menschen. – Der alleinige Zweck des Heiligen Krieges ist der der Verteidigung! Es heißt z. B.: „Greifen sie euch an, dann bekämpft sie und vertreibet sie, von wannen sie kommen.“ (2./191.) Angesichts der verschärften Lage in Palästina und gemäß dem allarabischen Beschluß müsste mit dem Ausbrechen des Heiligen Krieges gerechnet werden, falls nicht islamfeindliche Bindungen unter den Arabern selbst dies vereiteln. Eine andere Lösung des entbrannten Streites als durch den Brand des Heiligen Krieges wird schwerlich zu Gunsten des Arabertums ausfallen. – Durch die sicher durch englische „Beeinflussung“ erreichte auffallende Zurückhaltung I b n S a u d s und des Wafd scheint der „Heilige Krieg“ aber verhindert zu werden!! Wo sitzen die Verräter der Araber??
Zion und Islam: Erlebnisse und Eindrücke einer Weltreise, Tono Kaiser, Deutscher Hort Verlag, ohne Jahresangabe (vermutlich Anfang 1930er). S. 34
 

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