17.10.06

Zitat von Jürgen Habermas

Religiöse Überlieferungen scheinen, auch wenn sie sich einstweilen als das intransparente Andere der Vernunft präsentieren, sogar auf eine intensivere Weise gegenwärtig geblieben zu sein als die Metaphysik. Es wäre unvernünftig, apriori den Gedanken von der Hand zu weisen, dass die Weltreligionen — als das einzige überlebende Element aus den fremd gewordenen Kulturen der Alten Reiche — innerhalb des differenzierten Gehäuses der Moderne einen Platz behaupten, weil ihr kognitiver Gehalt noch nicht abgegolten ist. Jedenfalls ist nicht auszuschließen, dass sie semantische Potentiale mit sich führen, die eine inspirierende Kraft für die ganze Gesellschaft entfalten, sobald sie ihre profanen Wahrheitsgehalte preisgeben.

Habermas, Jürgen: Zwischen Naturalismus und Religion, Suhrkamp 2005. S. 149
 

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