23.12.06

Im Reich der Großmoguln 1

Gedichte

Nach dem Sieg über den führenden Hindu-Fürsten des Gebietes schrieb Babur in Turki:
Für den Islam ward ich zum Vagabunden
Mit Hindus kämpfte ich, mit vielen Heiden
Ich war bereit, als Märtyrer zu sterben,
Doch Gott sei Dank! Ich ward zum Glaubenshelden

O du, dessen Barmherzigkeit alle akzeptiert
Und für den das Innere aller deutlich ist
Deine Wohnstatt ist der Platz, wohin alle
Sich zum Gebet richten
Deine Güte ist die Stütze aller

Der in der Wüste ohne Ende
verwirrte Muhammad Humayun

So wie eine Sanduhr wurden die beiden Welten
Voll von Toten und leer von Lebenden

Du staunst, wenn Alchemie den Staub zu Gold verwandelt –
Doch deinen Staub verwandelt die Armut ganz zu Gott.
Denn fällt ins Meer des Wahren der Mensch – was wird er dann?
Was wird der Tropfen Wasser, fällt er ins weite Meer?
Mollah Shah

Die Welt: ein Paradies, und zu entzücken,
Jedoch ein Rosenhag auch, dornumschlungen;
Des Frohsinns Rose kann dort niemand pflücken,
In dessen Herz kein Schmerzens-Dorn gedrungen...

Der Gram der Welt ist allzu groß
Ich hab’ nur eine Herzensknospe
Wie kann den ganzen Wüstensand
Ich denn in eine Sanduhr tun?
Aurangzeb

Mein Torheit-ergriffenes Herz
Wird nicht ohne Schmerzen geöffnet
Denn für ein verrostetes Schloss
Ist nur das Zerbrechen der Schlüssel

A – Allah ist ein Zweig Jasminen,
Den man in mein Herz gelegt – Hu!
Mit dem Wasser „Keiner als Er“
Hab ich ihn immer gehegt – Hu!
Bis sein Duft das ganze Herz füllte – Hu!
Mög’ mein Meister lange leben,
der die Blüte hegt und pflegt! – Hu!
Sultan Bahus

Gleich sind an Form und Gestalt
Freude und Leiden – die Rose…
Nenn’ sie geöffnetes Herz...
Nenn sie gebrochenes Herz

Annemarie Schimmel, Im Reich der Großmoguln, C. H. Beck, München 2000
 

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