24.12.06

Im Reich der Großmoguln 2

Bestrafungen

Im allgemeinen wurden juristische Probleme rasch und ohne lange Wartezeit gelöst. Für die Muslime galt die Scharia, deren Ausführungsorgane die Qadis waren. Damit folgte man dem normalen System islamischer Länder. Das gleiche gilt für die Hindus, die als dhimmi, „Schutzbefohlene“, gemäß islamischem Recht von ihren eigenen Juristen abgeurteilt wurden Sie konnten ihre Probleme jedoch auch vor den Qadi bringen, wie es im Nahen Osten bei Christen und Juden nicht selten der Fall war. […] In den fatāwā-i ‘ālamgīrī (den zur Zeit Aurangzebs gesammelten Rechtsgutachten), liest man, daß dhimmis „sich nicht dem Gesetz des Islam zu beugen haben, weder in Dingen, die in erster Linie mit religiösen Fragen zu tun haben, wie Fasten und Gebet, noch in weltlichen Fragen, die, obschon dem Islam entgegengesetzt, bei ihnen legal sein mögen, wie etwa der Verkauf von Wein oder Schweinefleisch, weil es uns (den muslimischen Juristen) befohlen ist, sie in allen Dingen, die ihren eigenen Gesetzesvorschriften entsprechen, frei zu lassen“.
[…]
Interessant war gerade Aurangzeb sehr zögernd, wenn es galt, eine Todesstrafe gleich welcher Art zu verhängen.
[…]
Die typischste Hinrichtungsart in der Mogulzeit aber war, den Schuldigen von Elefanten tottrampeln zu lassen, wobei ihm, wie aus Illustrationen hervorgeht, zunächst die Hände auf dem Rückeb zusammengebunden wurden. Der Elefant hob den Armen oft erst einmal mit dem Rüssel hoch und spielte gewissermaßen mit ihm ehe er ihn zertrampelte. Akbar ließ einen Mann fünf Tage lang vor einen Elefanten werfen, der ihn aber nicht töten durfte; dann wurde er – wahrscheinlich halbtot vor Angst – begnadigt.

S. 100ff.
 

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