16.12.06

Israfel von E. A. Poe

Israfel - Gedicht mit "Koran"-Zitat von E. A. Poe

»Und der Engel Israfel,
Dessen Herz einer Laute gleicht
Und der da hat die süßeste Stimme
Von allen Kreaturen Gottes.«
Koran

Im Himmel, da wohnet ein Geist ohn‘ Fehl,
»Dess‘ Herz einer Laute gleicht«;
Keiner singt so wilde hell
Wie der Engel Israfel,
Und die impulsiven Sterne, wie auf Befehl,
Verstummen und lauschen dem Zauberquell
Seiner Stimme, unerreicht.

Schwankend voll Glut,
Wo er hohe thront,
Errötet der Mond
Vor Liebe und ruht,
Derweil des roten Blitzes Strahl
(Mit den Pleiaden allzumal,
Die sieben an Zahl)
Einhält und am Himmel wird fahl.

Und sie sagen (die Sterne teuer
Und die anderen lauschenden Dinge),
Daß Israfels Feuer
Entstamme jener Leier,
An der er sitze und singe –
Dem zitternd lebendigen Schleier
Jener Saiten und ihrem Geschwinge.

Doch die Himmel, die Jener verwirrt
Und zu tiefen Gedanken bezwungen,
Wo erwachsen Gott Liebe regiert,
Wo der Huri Blicke sind fern
Und nah von der Schönheit durchdrungen,
Die wir ehren an einem Stern.

Drum folgest zu Recht du dem Drang,
lsrafeli, geringe zu achten
Den nicht aus Leidenschaft geborenen
Gesang;
Dir gebührt der Weisesten Rang,
Nach welchem die Barden trachten!
Heiter lebe und lang!

Dort droben die Ekstasen,
Sie passen zur brennenden Flut
Deiner Rhythmen – dein Lieben und Hassen
Entspricht deiner Laute Glut –
Wohl mögen die Sterne erblassen!

Wohnt‘ ich an dem Quell,
Wo Israfel
Gewohnt, und wäre er hie,
Er sänge vielleicht nicht so wilde hell
Eine sterbliche Melodie,
Indessen mein Herz wohl ein Lied ohn‘ Fehl
Sich erschüfe, und kühner als sie.
 

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