2.2.07

Die Philosophie des Ghetto Scheich

In meinem Diwan versuche ich eine lebendige zeitgemäße Dichtung zu komponieren, welche sich in der Hauptsache aus drei Quellen speist: dem Islam, seiner Theologie, Geschichte und heutigen (problematischen) Kontur, wobei ich keine Apologetik und Romantik thematisiere, sondern bemüht bin eine intelligente Kontroverse zu erzeugen; moderne westliche Philosophie, da ich mich mit dieser intensiv beschäftige; Hip Hop/Rap als ein Stilmittel, welches mir ermöglicht, die beiden vorherigen Themenkomplexe mit einer gewissen Leichtigkeit zu thematisieren, damit der Diwan einen Entertainment Charakter erhält.

Ein weiteres Merkmal des Diwan ist die häufige Nennung von historischen oder zeitgenössischen Persönlichkeiten aus den verschiedensten Bereichen. Dadurch soll gewährleistet werden, dass der Diwan nicht nur Entertainment ist, sondern zugleich auch Edutainment. Der Leser soll sich dadurch herausgefordert fühlen, zu fragen wer diese Persönlichkeiten waren oder sind und welche Bedeutung sie haben. Ebenso dienen diese Namen als Metaphern und Symbole: Beispielsweise konstituiert „Aurangzeb“, über den poetischen Effekt bei „Aura Check, Abu Zeyneb, Aurangzeb“ hinaus, einen idealen Fixpunkt, aufgrund seiner facettenreichen und umstrittenen historischen Persönlichkeit.

Mein Diwan ist ein Versuch, die muslimische Dichtkunst vergangener Tage, welche in verschiedenen Sprachen Höhepunkte erreichte, im Deutschen wieder aufzugreifen, da bedauerlicherweise anstelle der ehemaligen Zeugnisse muslimischer Phantasie und Originalität in der Poesie bei zu vielen „poetischen“ Darstellungen muslimischen Glaubens und Kultur heutiger Zeit Banalität, Einfallslosigkeit und verflachter Diskurs getreten ist. Daher: „[In meinem Diwan] gibt es so billige Verse einfach nicht, wie ‚Danke Allah, jetzt sehe ich das Licht’“.

Die Verse meines Diwans haben oftmals viele Bedeutungen und Facetten. Wie es in den Dichtungen und Schriften der Sufis der Fall war, haben meine Verse oft ein Äußeres, was es zu durchdringen gilt um die wahre innere Bedeutung der Verse zu erschließen. Ich zögere noch dieses selber einmal erklärend bei einem oder einigen der Gedichte zu veranschaulichen, da die Gedichte um ihrer selbst willen eigentlich unkommentiert bleiben sollen. Aber es wird wohl unumgänglich sein dies zu tun, um die Bedeutungstiefe der Verse darzulegen.

„Ghetto Scheich“ ist eine ideale Bezeichnung, um das beschriebene Anliegen mit einem Namen und Charakter zu versehen, gewissermaßen einem Label. Die Bezeichnung ist humorvoll, ist aber auch mit tieferem Sinn versehen. Das „Ghetto“ bezieht sich auf die Hip Hop Elemente des Diwans, aber auch auf die problematische Situation der Muslime, der Menschheit insgesamt. Das selbstverschuldete und das zugeteilte Ghetto als Lebenswelt und in der Weltanschauung. Mit „Scheich“ ist die intellektuelle Dimension gemeint, welche im Diwan dargestellt wird.
 

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