5.3.07

Zentralrat der Ex-Muslime

Der Zentralrat der Ex-Muslime
Huldigt seinem neuen Gebieter
...
Ich hasse Allah zuliebe
Alle, die Mitglied sind, im
Zentralrat der Ex-Muslime
[i]
Gehen vor mir in die Knie
Als das ich ihnen verziehe
Flehen sie zu mir: „Ya Sidi!
[ii]
Wir kriechen zu dir wie Tiere
Du bist der Alte vom Berge
[iii]
Wir sind deine Asassinen
Lass die Sharia regieren
Mit dem Maschinengewehr
[iv]
Wir leisten den Treueid
Seit September 2001
War ausschließlich dein
Großartiger Diwan ein
Wichtiges Ereignis
Deine große Kenntnis
War unsere Erkenntnis
Wir sind arm und du reich
Wir sahen in dir, Oh Scheich!
Endlich den Gottesbeweis
Lehre uns, was du weißt
Von Vernunft und Islam
Die Trennung von
Religion und Staat
Ist uns ab sofort egal
Wir wollen dich als Kanzler
Wir wussten es nicht besser
Vergib unsere Schuld, Herr!
Lass uns teilhaben an der
Tiefe transzendenter
Erfahrung wie ein Meer
Visionen wie ein Seher
Dem Wissen gelehrter
Menschen so wie er
Abu Zeyneb unser Amir
[v]
Und dass sagen wir
Als Iraner im Exil
Vordem schrieen
Wir noch nieder
Mit Ahmadinejad
Und jetzt verlangt
Der neue Aurangzeb
[vi]
Unseren Respekt“
„Genug! Das reicht jetzt!“
Antworte ich ihnen
[vii]
„Weder als Ex-Muslime
Noch fanatische Diener
Will ich mit euch
Etwas zu tun haben
Trenne mich von euren
Wahnsinnigen Vorhaben
Ich habe gesehen
Was eure Seelen
Vor mir verbergen
Entstellt von Narben
Lebendig begraben
Aber ich dagegen
Werde beschrieben
In orientalischen
Und nordischen Sagen
Als Licht in dunklen Tagen
Metaphern aus ewigen Qualen
Sind es welche im Diwan
Die Wahrheit sagen
Keine weiteren Fragen
Verlasst die Gegenwart
Von Abu Zeyneb"


[i] Als Muslim sollte man seine Emotionen kontrollieren und große Gefühle, wie Liebe und Hass, mit dem Glauben an Allah kritisch reflektieren. Das ist die tiefere, innere Bedeutung dieses Verses, obwohl dieser äußerlich wie eine wenig reflektierte Aussage eines islamistischen „Hasspredigers“ wirkt, dem ist aber nicht so, denn die Gründung und Existenz eines Zentralrats der Ex-Muslime ist diesem Autor nicht nur vollkommen egal, sondern es erfreut ihn, dass endlich einmal Menschen aus dem muslimischen Kulturkreis offen ihren Unglauben kundtun und sich nicht, wie so viele andere, mit einer Religion dekorieren, mit welcher sie in Wirklichkeit nichts zu tun haben und diese nichts mit ihnen. So vermag der Autor sogar von seinem ganzen Herzen dem Zentralrat der Ex-Muslime einen großen Zustrom an Mitgliedern zu wünschen.
Intention des Gedichtes ist es in provokanter Form eine künstlerische Position gegenüber dem Zentralrat der Ex-Muslime einzunehmen, welche aufzeigt, dass man als Muslim ohne Defizite (sic!) sich der eigenen Phantasie, Vernunft und okzidentaler moderner Geisteswissenschaften bedienen kann, so dass die Thesen von Ex-Muslimen dagegen als blass und banal erscheinen.
Gleichermaßen richtet sich das Gedicht aber auch kritisch an Muslime, welche auf Provokationen leider sehr unzureichend reagieren, entweder mit erbärmlicher religiös motivierter Empörung oder – gleichsam erbärmlich – mit langweiliger Rhetorik von Funktionären der verschiedenen islamischen Verbände.

[ii] Arabisch, bedeutet „Oh Herr!“

[iii] Geistiger und politischer Führer der mittelalterlichen extremistischen Ismailiten-Sekte, von denen der Begriff Assasinen stammt. Tieferer Sinn dieser Metapher ist es, den mich anflehenden Zentralrat der Ex-Muslime als Fanatiker darzustellen, wie es die ismailitische Sekte der Assasinen war. Die Metapher ist passend, da eine große Anzahl der Ex-Muslime vormals Schiiten waren.

[iv] Dies ist kein aus dem Kontext zu reißender reißerischer Aufruf zur Gewalt, sondern eine Anspielung auf „let freedom reign with the shotgunblast“, hier verwendet als Stilmittel um zu zeigen, dass der Zentralrat der Ex-Muslime intellektuell aus meiner Sicht genauso banal ist, wie die äußere Bedeutung dieses Verses. Gewaltverherrlichung ist ein Stilmittel, welches aus dem Hip Hop und Rap entlehnt ist, es wird nur eingesetzt um damit tiefere Bedeutungen zu transportieren.
Der Autor sieht diesen Vers als ein Plädoyer zur freien Meinungsäußerung und Unabhängigkeit der Kunst, zwei Tatbestände, welche Islamkritiker und Ex-Muslime stets gegen Muslime anführen, welche bislang nur sehr unzureichend mit freier Meinungsäußerung und Kritik an ihrer Religion und Lebensweise umzugehen verstanden haben.
In keiner Weise ist die Aussage irgendwie als tatsächliche Gewaltandrohung zu verstehen. Gewaltverherrlichung und Darstellung von Gewalt ist – wie bereits weiter oben ausgeführt – ein dem Hip Hop und Rap entlehntes Stilmittel, das vom Autor eingesetzt wird, um die Aufmerksamkeit des Lesers auf die eigentlichen tieferen Bedeutungen des Gedichtes zu richten. In diesem Fall sind dies: Plädoyer zur Freiheit der Kunst und Meinungsäußerung und die Ex-Muslime – nach Ansicht des Autors gerechtfertigterweise – als leicht zu beeinflussende schwache Persönlichkeiten darzustellen.

[vi] Arabisch, bedeutet Anführer.

[vii] Herrscher der Mogul-Dynastie, bekannt als konservativer Sunnit, im Gegenteil zu anderen Mogulherrschern. Im Diwan eine konstant wiederkehrende Metapher, einer der selbst gewählten Namen des Autors.

[vii] Ich antworte auf ihr Begehren und weise es kategorisch zurück. Der synkretistische und inklusive Charakter des Diwans erfordert, dass diese Antwort als Vervollständigung der Gedankenschleife dem Leser zugeführt wird, da dieser Autor die Feststellung machen durfte, dass die empathischen Fähigkeiten und das Abstraktionsvermögen des muslimischen sowie nicht-muslimischen Lesers nicht ausreichend für einen auch nur ansatzweisen Nachvollzug kultiviert sind. Dieserart würde der Leser gewissermaßen „außen vor“ bleiben, obwohl es ja erklärtes Programm des Diwans ist den Leser „mitzunehmen“.

 

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