23.4.07

Die Phänomenologie des Scheichs

We are suffering the collision of denominations, specifically the collision with Islam. Whatever is true about us isn’t Christian. And it isn’t Muslim. Physics isn’t Christian though it was invented by Christians. Algebra isn’t Muslim, even though it was invented by Muslims. Whenever we get at truth, we transcend culture, we transcend our upbringing.
Sam Harris (Atheist/Religionskritiker), Newsweek 9.5.2007



Die Phänomenologie des Scheichs [1]


I.
Die Shahada [2]
La ilaha illa llah
Ergibt die Aura
Von Frank Mullah
Stellt den Versuch dar
Peinliches Gelaber
Von Versagern
Wie Bekir Alboga [3]
In Metaphern und Parabeln
Eindeutig zu entlarven
Der Weltgeist von Hegel
Spricht in diesem Diwan
Derartig klar das erste Mal
Seit hunderten von Jahren
Wenn die letzten Fragen
Entstellt von Narben
Dargestellt werden
Sinken die Gottlosen
In Andacht zu Boden
Seine Allmacht lobend
Die Deutsche Sprache
Schien als verloren
Bis im Wortschatz
Von meinem Diwan
Sich Niederschlag
Findet in der Version
Des gesamten Duden
Die Geschichte der Juden
Ohne Stereotypen
Ohne sie zu verfluchen
So dass sie Asyl suchen
In den Versen des Scheich
Wie im Osmanischen Reich
Dass Islam Frieden heißt
Wird von mir gezeigt
Wenn sich aus Dankbarkeit
Ein Rabbi vor mir verneigt
Ein Befehl von mir reicht
Und die Geiseln sind frei
Meinen Kritikern
Mutiert das Gehirn
Als Strafe zu Brei
So wie das von Ariel Sharon
Bleiben sie am Leben
Aber haben nichts davon

II.
Mahmoud Watan-Sadr [4]
Beginnt mit Wa-l-’Asr [5]
Seine Antrittsrede
Als Bundespräsident
Er sagt nicht was er denkt
Denn seine Agenda ist von
Iranischen Interessen gelenkt
Jeder Muslimische Verband
Ist zu schwach gegen
Den neuen Murad Hoffmann [6]
Behalte immer die Oberhand
Der Islamrat unter Kizilkaya [7]
Organisiert sich dezentral
Als Idee von Frank Mullah
Keinen „Reis ul Ulama“ [8]
Als Ansprechpartner
Das Amt erschaffen
Von den Habsburgern
Um jemanden zu haben
Von Muslimischer Seite
Grenzen wie Oder/Neiße
Verschieben sich alleine
Deshalb: jedem das seine
Freunde und Feinde
Verschmelzen zu einem
Ich verdeutliche das
An einem Beispiel
Damit man versteht
Was ich meine:
Wenn Abu Zeyneb
Mit Frank Mullah spricht
Sind große Scheichs
Endlich mal unter sich
Ich bin einfach zu weit weg
Denn ich befinde mich
Nicht mehr im
Normalen Internet
Sondern bereits im
Nachfolger Grid [9]

III.
Im Schatten der Terror-Bibel
Reden moderate Muslime
Von Liebe und Frieden
Sprayer in Berlin
Bomben SS-Runen
In der Dunkelheit
An den Bundestag
Denn sie nennen mich
Den Super Scheich
Mit der Weisheit
Von einem Greis
Verfasse nur ich
In unserer Zeit
Dichtung die bleibt
Die Kritik erscheint
Zerfressen von Neid
Das hindert sie daran
Den großartigen Diwan
Einfach zu bejahen
Worte von Frank Mullah
Knocken sie aus
Wie Juden die Shoa [10]
So zeitlos und stilvoll
Wie bei Frauen die Stola
Gleichzeitig so aktuell
Wie Design von Motorola
Die Taktik vergleichbar
Welche die Ninja
Anwenden um Gegner
Elegant zu erledigen
Gift fließt an einem
Unsichtbaren Seidenfaden
Hinunter in den Mund
Eines Schlafenden
Erst schießen, dann fragen
Oder gleich den Gegner
Lebendig begraben
Beides brutal und clever
Aber welche Art ist besser?


[1] Anspielung auf das Hauptwerk des Philosophen Hegel: „Die Phänomenologie des Geistes“.
[2] Das Islamische Glaubensbekenntnis: Es gibt keinen Gott außer Gott.
[3] Dialogbeauftragter in Deutschland für die Türkischen Religionsbehörde, der sich in letzter Zeit sehr zweifelhaft als Sprecher der Muslime in Deutschland zu etablieren versucht..
[4] Fiktiver Charakter in einem Artikel von Henryk M. Broder. Mahmoud Watan-Sadr ist darin muslimischer Bundespräsident im Jahr 2067.
[5] Arabisch: „Bei der Zeit!“ Beginn einer qur’anischen Sure.
[6] Dr. Murad Hoffman, bekannter deutscher Konvertit.
[7] Vorsitzender des Islamrats.
[8] Reis ul Ulama: „Oberhaupt der Gelehrten“. Eigentlich ein Titel/Amt im Osmanischen Reich, hier ist aber der bosnische Resi ul Ulama gemeint, welcher momentan Mustafa Ceric ist [9] Das Nachfolge-Programm des Internet, wird momentan im Teilchenbeschleuniger Cern eingesetzt.
[10] Man lese diese Zeilen als einen muslimischen Beitrag zu einer aktiven Erinnerungskultur an den Holocaust. Einer banalen Betrachtung wird dies sicherlich als vollkommene unakzeptable Anspielung erscheinen, dem ist aber sehr einfach zu begegnen, dass dieser bewussten Übertretung der Symbolik die Einsicht zugrunde liegt, dass konventionelle – im Rahmen gehaltene – Thematisierung des Holocaust, gleichzeitig immer auch zu dessen Trivialisierung beiträgt. Hier verbirgt sich stattdessen in der zunächst so scheinenden Trivialisierung unterhalb der Oberfläche der metaphorischen Wendung ein ernsthafter Beitrag zur Erinnerungskultur.
 

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