8.6.07

Genealogie

Die Fortsetzung der Genealogie der Vernunft


Nach der ersten Lesung
Ging das Literaturhaus
In Flammen auf
Nach der zweiten
Schrie das Publikum:
„Islamisten raus!“
Nach der dritten
Buhte man ihn aus
Erst nach der vierten
Gab es Applaus
Nach der fünften
Sah das Feuilleton
Parallelen zu Faust
Die sechste zeichnete
Das Fernsehen auf
Strahlte aber nur
Teile davon aus
Die wurden missverstanden
Deshalb rasteten
Alle wieder aus
Bei der siebten
Rezitierte er:
„Oh die ihr glaubt
Ab heute ist euch
Alles erlaubt
Macht einfach
Was ihr wollt“
Al-Qaida gab
Danach eine
Todesfatwa
Gegen ihn raus
Bei der achten
Trat er deshalb
Unter massivem
Polizeischutz auf
Aber nichts passierte
Und als auch
Bei der neunten
Nichts geschah war
Das Risiko scheinbar
Wieder abgeflaut
Doch bei der zehnten
Kam es zum GAU
[1]
Mit einer Panzerfaust
Schaltete ein Sniper
Den Dichter ausSein Tod blieb
so geheimnisvoll
Wie seine Dichtung
Es gewesen war
Bis heute ist unklar
Wer es gewesen war
Unter Verdacht standen
Ein verdeckt ermittelnder Polizist
Ein muslimischer Terrorist
Ein fanatischer Zionist
Und ein Rechtsextremist
Bedeutet das nicht
Dass du leben wirst
Auch wenn man Dich
Mit Kugeln zersiebt
„Das ist nicht Tod,
Was ewig liegt“
[2]
Der Weg des Ghetto Scheichs
So entbehrungsreich
Wie der „Lange Marsch“
[3]
Niederwerfung
Auf dem Asphalt
Glaubensfreiheit im Kalifat
Die Trennung von
Religion und Staat
Abu Zeyneb ist der
Imam des Prolétariats
Meine Gegner sind
Die Feinde Allahs
Kenan Kolat ist nicht klar
[4]
Dass Laizismus versagt
Als Gesellschaftsvertrag
Scheint unvereinbar
Mit der Philosophie
Von Robert Spaemann
[5]
„Sein und Zeit“
Von Heidegger
[6]
„Das Unbehagen
Der Geschlechter“
Von Judith Butler
[7]
„Tod eines Kritikers“
Von Martin Walser
[8]
Als ein Zitat von ihm:
„Ich bin an den
Sonntag gebunden
Wie an eine Melodie
Ich habe keine
Andere gefunden
Glaube nichts und knie“
[9]
Was DITIB verbirgt
Der Islamrat nicht weiß
Und der Zentralrat
Nicht sagen will
Zeige ich Dir
An einem Beispiel:
Minarette sind Bajonette
Sie zerschneiden die Luft
Mit muslimischer Baukunst
Es scheint so als
Schließe sich eine Kluft
In der Fortsetzung
Der Genealogie der Vernunft
Wie ein riesiger Slum
Entfaltet sich das
Symbolische Universum
Von Al-Majnun
[10]
Zu David Hume [11]
Golf von Aden
Bis zum Mahlstrom
[12]
Von Cro-Magnon [13]
Zur Chrom Magnum
Wie bei Verdun
[14]
Blutet die Nation
An den Versen gesund
Das Zitat von Karl Marx
„Religion ist das
Opium des Volkes“
Wird von mir
Positiv gedeutet
Denn so sagten
Schon die Onkelz
„Die Wege sind lang, selbst
Der Tod ist nicht ihr Ende“
[15]
Ich konstruiere
Gedanklich behende
Die Synthese
Aus dem was ich erlebe
Dem muslimischen Erbe
Und der normativen Moderne
Lang Zeit zerrte
Es an meinen Nerven
Aber dann vereinigten
Sich die Welten
Sonne, Mond und Sterne
Zu einem einzigen
Gleißenden Licht
Und ich vernahm
Eine Stimme, die sprach
Aber es war nicht Allah
Sondern meine eigene
Welche das vornahm
Was mir vordem
Nicht gelungen war
Umschlungen lag
Glaube und Vernunft
Vor mir da
Dieser Augeblick
Des Wahns
Gab mir mehr Wissen
Als das gesamte
Wikipedia



[1] Akronym: größter anzunehmender Unfall
[2] Eigene Übersetzung des ersten Teils vom berühmten Zitat aus dem Necronomicon von J.P Lovecraft: That is not dead which can eternal lie, and with strange æons, even death may die“.
[3] Der Lange Marsch ist der zentrale Heldenmythos der Kommunistischen Partei Chinas und war ein militärischer Rückzug der Streitkräfte der Kommunistischen Partei Chinas 1934/35, um sich aus der Einkreisung durch die Armee Chiang Kai-sheks zu befreien. Beim Langen Marsch waren mehrere Abteilungen der Roten Armee auf dem Weg nach Westen und Norden. Am Bekanntesten ist der Marsch der Armeegruppe mit der Führungsspitze der Kommunistischen Partei Chinas, die innerhalb von 370 Tagen 12.500 km zurücklegte und dabei einige der unwegsamsten Regionen Chinas durchquerte. Während des Langen Marsches gelang es Mao Zedong seine Macht innerhalb der Partei zu festigen und auszubauen. Nur 10% der 90.000, die sich aus dem Jiangxi-Sowjet auf den Langen Marsch begaben, erreichten ihr Ziel. (Wikipedia)
[4] Vorsitzender der Türkischen Gemeinden in Deutschland. Es geht hier um die den Unterschied zwischen Laizismus und Säkularismus, da ersterer sich nicht durch staatliche Neutralität gegenüber Religionen auszeichnet, sondern insbesondere in der türkischen Variante die Religionsfreiheit den staatlichen Interessen nahezu 100% unterordnet.
[5] Für Spaemann bildet die Vernünftigkeit des Glaubens an Gott, den Mittelpunkt seiner Philosophie. Er erläutert die traditionellen philosophischen Gottesbeweise und weist darauf hin, dass diese Gottesbeweise auch im 20. Jahrhundert noch philosphische Bewunderer gefunden haben. Er setzt einen Kontrapunkt zu Philosophen wie Ernst Tugendhat, die meinen, dass die Haltung der Religion "mit der intellektuellen Redlichkeit heute nicht mehr vereinbar" sei. Mit seiner eigenen Argumentation zur Gottesfrage schließt Spaemann an Nietzsche an, der einmal schrieb: "Ich fürchte wir werden Gott nicht los, weil wir noch an die Grammatik glauben". Indem wir Strukturen (wie z.B. der Grammatik) folgen, die einen übergreifenden Sinnzusammenhang behaupten, begreifen wir die Welt als nach sinnvollen Prinzipien aufgebaut. Dies wiederum setze voraus, dass wir Menschen die Wahrheit und in dieser "die Spur Gottes in der Welt" erkennen können. (Wikipedia)
[6] Martin Heidegger war ein deutscher Philosoph, der vor allem durch sein 1927 erschienenes Werk Sein und Zeit die Philosophie des 20. Jahrhunderts maßgeblich geprägt hat. (Wikipedia)
[7] Eine US-amerikanische feministische Theoretikerin (Professorin für Rhetorik und vergleichende Literaturwissenschaft), deren Werk „Das Unbehagen der Geschlechter“ sehr bedeutend für die Gender Studies war und ist.
[8] Tod eines Kritikers ist ein Roman des deutschen Schriftstellers Martin Walser. Dieser Roman ist unter anderem auch eine Abrechnung mit dem Literaturkritiker Reich-Ranicki.
[9] Ein Zitat von Walser aus der Süddeutschen Zeitung.
[10] Arab.: „der Verrückte“, bezieht sich auf die Legende von Leyla und Majnun.
[11] Wichtiger Philosoph der Aufklärung.
[12] Gezeitenstrom zwischen den Lofoten-Inseln, aber auch ein mythologischer Begriff, bspw. Bei E.A. Poe oder in der Edda
[13] Cro-Magnon ist der Name eines Fundortes steinzeitlicher Skelette in Frankreich.
[14] Bezieht sich auf die Schlacht um Verdun, die grösste Schlacht im 1. Weltkrieg
[15] Ein Zitat von der deutschen Band Böhse Onkelz aus dem Lied „Finde die Wahrheit“: „...denn die Wege sind lang, und selbst der Tod ist nicht ihr Ende, wach endlich auf...“.
 

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