23.12.08

Hohenstaufen: Eine Synthese des Grauens


Dinge haben gelernt zu laufen,
die eigentlich nur kriechen sollten; [1]
die Ruinen von Hohenstaufen [2]
wirken, als ob sie leben wollten;
wie einstmals erhabene Bauten
Jahrhunderte im Zorn verharrten,
bis dass wir das Abnorme schauten,
als Wesen sich nach oben scharrten,
welche uns des Verstands beraubten,
ob ihres Odems der Vernichtung;
dahinraffend, jene die glaubten;
eine Rasse fremd in der Dichtung:
zersetzend, entartet und grotesk;
Invasoren aus der Anderswelt: [3]
Mantikoren, Ausbrut, Basilisk; [4]
was doch nur unter dem Himmelszelt,
das der Allerbarmer aufgespannt,
an Abschaum Seinen Namen entehrt;
wispernd nur in Legenden genannt:
Grauen, das einer Seele entbehrt,
Ewigkeiten schon unsagbar krank,
doch stirbt niemals, was nie wirklich lebt,
als ob es den Schierlingsbecher trank [5]
und das Gift langsam in die Welt gibt;
durch einen blasphemischen Gesang
wird dieser ganze Ort hier versengt;
noch nur daran gebunden durch Zwang;
wehe, wenn es seine Fesseln sprengt,
ehe wieder neues Mauerwerk
die Pestilenz und ihre Horden
verbannt in die Finsternis im Berg;
bleibt die Frage, was denn geworden,
errichteten nicht einst Muslime
auf den Grundfesten eine Masjid [6]
als dem Herrn der Welten zum Ruhme;
Abu Zeyneb Abdul Alhazred! [7]


[1] Eine eigene lyrische Übertragung des berühmten Lovecraft Zitats: Cursed the ground where dead thoughts live new and oddly bodied, and evil the mind that is held by no head. Wisely did Ibn Schacabao say, that happy is the tomb where no wizard hath lain, and happy the town at night whose wizards are all ashes. (...) Great holes secretly are digged where earth's pores ought to suffice, and things have learnt to walk that ought to crawl (H.P. Lovecraft: The Festival). Das ganze Gedicht kann als von Lovecraft inspiriert bezeichnet werden.
[2] Die Burg Hohenstaufen ist eine Ruine und liegt oberhalb des Ortes Hohenstaufen in Baden-Württemberg. Erbaut wurde die Burg Hohenstaufen nach schriftlichen Quellen um 1070 vom Stauferherzog Friedrich I. von Schwaben. Bemerkenswert ist dabei, dass sie noch vor Friedrichs Erhebung zum Herzog (1079) errichtet wurde, d.h., sie war zunächst keine Reichsburg, sondern Allod des Staufers. Der Hohenstaufen war bis zum 13. Jahrhundert Stammburg des Königs- und Kaisergeschlechts der Staufer. 1181 weilte Kaiser Friedrich Barbarossa auf der Burg, 1208 starb hier Königin Irene, die Witwe des kurz zuvor ermordeten Philipp von Schwaben. Staufische Dienstleute, die zugleich auch Burgmannen auf dem Hohenstaufen waren, erbauten in der Umgebung, die man schon damals ein „Stauferland“ nennen konnte, eigene Burgen, etwa Burg Hohenrechberg. Nach dem Untergang der Staufer im Jahre 1268 wurde die Burg von König Rudolf von Habsburg zur Reichsburg erklärt. Der strategisch und ideell wichtige Platz bildete in der Folge eine ständigen Zankapfel zwischen den Grafen von Württemberg und dem Reich. Seit 1372 war der Hohenstaufen in der Hand der Grafen von Württemberg. Nach der Vertreibung Herzog Ulrichs im Jahre 1519 reklamierte Georg Staufer von Bloßenstaufen, der sich als Nachfahre des alten Kaiserhauses ausgab, erfolgreich den Hohenstaufen für sich. So war die Burg nur von einer kleinen Mannschaft verteidigt, als sie im Bauernkrieg vermutlich Ende März oder Anfang April des Jahres 1525 von aufständischen Bauern eingenommen und zerstört wurde. Steine der Burg wurden zum Bau des Göppinger Schlosses verwendet. (Wikipedia)
[3] Der Begriff Anderswelt ist eine Übersetzung des lateinischen "Orbis Alia". Er wird zumeist als Überbegriff für mythische Jenseitswelten oder verschiedene Jenseitsvorstellungen der Kelten gebraucht. (Wikipedia)
[4] Der Mantikor ist ein griechisch-persisches Fabelwesen. Der Mantikor ist ein Mischwesen mit dem Gesicht eines Mannes oder Löwens, dem Körper eines Löwen (typischerweise mit rotem Fell), dem Schwanz eines Drachen oder Skorpions und in manchen Darstellungen auch mit Flügeln. Das Maul enthält drei Reihen scharfer Zähne. Der Mantikor kann giftige Stacheln wie Pfeile abfeuern, die das Gift des Upas-Baumes (Antiaris toxicaria) enthalten. In manchen Versionen kann er diese Pfeile auch aus seiner Mähne schießen. Er ist sehr gewandt, kann kraftvolle Sprünge machen und hat eine sehr laute Stimme.
Der Basilisk (griechisch: basiliskos lat. regulus = „kleiner König“; auch Sibilus) ist ein mythisches Tier. Er gilt als „König der Schlangen“. In mittelalterlichen Tierbüchern werden Basilisken oft als Mischwesen mit dem Oberkörper eines Hahns, auf dem Kopf eine Krone, und dem Unterleib einer Schlange, dargestellt. Sein Blick versteinert oder tötet. Sein Atem ist tödlich giftig. (Wikipedia)
[5] Schierlingsbecher ist eine Form der Vergiftung, bei der einem Getränk der Saft des gefleckten Schierlings beigemischt wird. Mit dem Begriff „Schierlingsbecher“ wird hauptsächlich die Hinrichtung des Sokrates 399 v. Chr. verbunden. (Wikipedia)
[6] Arabisch: Moschee
[7] Abdul Alhazred is a fictional character created by American horror writer H. P. Lovecraft. He is the so-called "Mad Arab" credited with authoring the imaginary book Kitab al-Azif (the Necronomicon), and as such an integral part of Cthulhu Mythos lore. The name Abdul Alhazred is a pseudonym that Lovecraft created in his youth, which he took on after reading 1001 Arabian Nights at the age of about five years. The name was invented either by Lovecraft, or by Albert Baker, the Phillips family lawyer. Abdul is a common Arabic name component (but never a name by itself; additionally the ending -ul and the beginning Al- are redundant), but Alhazred may allude to Hazard, a name from Lovecraft's family tree. It might also have been a pun on "all-has-read", since Lovecraft was an avid reader in youth. Abdul Alhazred is not a real Arabic name, and seems to contain the Arabic definite article morpheme al- twice in a row (anomalous in terms of Arabic grammar). The more proper Arabic form might be Abd-al-Hazred or Abdul Hazred. In Arabic translations, his name has appeared as Abdullah Alḥaẓred: Arabic "he fenced in", "he prohibited". Hazred could come from the Persian or Arabic word "Hazrat" meaning Great Lord with a twist that makes it sound like "red" and "hazard" both indicative of danger. However Abdul is a common Arabic prefix meaning "Servant of" and "Al" is Arabic for "the", and if "hazra" means "he prohibited", "he fenced in" or "Great Lord", than the name would mean "Servant of the Prohibited", "Servant of the Fenced in", or "Servant of the Great Lord" which would make sense considering his role, even if it is not a proper Arabic name. (Wikipedia)

Die letze Zeile ist angelehnt an die Urdu poetische Tradition in die letzte Zeile der Qasida den Namen des Autors einzubauen: In the Urdu poetic tradition, most poets use a pen name called the takhallus. This can be either a part of a poet's given name or something else adopted as an identity. The traditional convention in identifying Urdu poets is to mention the takhallus at the end of the name. Thus, Ghalib, whose given name was Mirza Asadullah Beg (the prefix Mirza and suffix Beg identifying him as a Chughtai) and official name and title was Mirza Asadullah Beg Khan is referred to formally as Mirza Asadullah Khan Ghalib, or, in common parlance, as just Mirza Ghalib. An interesting sidebar to this is that some poets end up having a part of their name repeated; thus, Faiz Ahmad Faiz. The word takhallus is derived from Arabic, meaning "ending". This is because in the ghazal form, the poet would usually incorporate his or her pen name into the final couplet (maqta) of each poem as a type of 'signature'. (Wikipedia)
 

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