15.5.09

Ibn Malih "Labsal dessen..."

Der Anfang eines im Vergleich zu Ibn Jubayr, Ibn Battuta u.a. nahezu unbekannten Pilgerfahrtberichtes:

Als mich die Winde der Sehnsucht heftig erschütterten und das Herz mit den Flügeln des Verlangens schlug, jene Horizonte zu erblicken, und als Gott mir die Gnade gewährte, auf den Schiffen der Annehmlichkeit zu jenem bedeutenden Herrn abzureisen, und da die Schicksalsfügungen an den Ausgangspunkten und den Zielorten günstig waren [und ich] auf der Hin- und auf der Rückreise von der Hecke des Edelmutes umfangen und von den Zelten des Wohlbefindens und der Gesundheit umfaßt wurde, widmete ich meinen Eifer und mein Sinnen der Aufzeichnung meiner Reise und meiner Wanderung sowie der Erwähnung ihrer Anfangs- und Endpunkte im Text gemäß der Anzahl der Etappen und den Namen der Lagerplätze und Wasserstellen, und so verfaßte ich diese Reisebeschreibung und nannte sie

“Labsal dessen, der bei Tag und bei Nacht reist“

von den Regionen des Sonnenuntergangs zum Ziel der Hoffnungen und Wünsche [sc. Mekka und Medina] ‚ zum Herrn der Araber und Nichtaraber - Gott segne ihn und schenke ihm Heil. Wir bitten Gott um rechte Leitung und um Gelingen auf den besten Weg. Gerne gestehe ich den berühmten Gelehrten, den Führern der Menschheit, den Meistern in Prosa und Dichtung [meine] Schwäche mein] Unvermögen und [meine] Unfähigkeit darin, trefflich und gekonnt zu formulieren, und ich bitte sie um den Gefallen, über Fehler und eitles Gerede sowie über Mängel und Irrtümer, die sie möglicherweise entdecken, hinwegzugehen. Ich bitte Gott um rechte Leitung, denn Er verleiht Erfolg, wem Er will, und es gibt keine Macht und keine Kraft außer bei Gott dem Erhabenen und Mächtigen.

Sabine Schupp: Labsal dessen, der bei Tag und bei Nacht reist. Ibn Malihs Uns as-sari was-sarib. Ein marokkanisches Pilgerbuch des frühen 17. Jahrhunderts. Berlin: Klaus Schwarz Verlag 1985. S. 19f
 

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