30.12.09

Mekkanische Vernichtungen 4


Im Islam endemisch
und deshalb nicht blasphemisch:
Mein Synkretismus ist authentisch,
wogegen euer Islamismus
unlogisch und nicht konsequent ist;
eine satanische List
auf der Basis von Qur’an und Sunnah;
das Zitat „Weder Schlaf noch Schlummer“; [1]
al Hayy ul Qayyum; der Ayah im Zoom; [2]
doch erst posthum
bekommt der Dichter seinen Ruhm;
Scharfrichter der Worte
im Namen der Hohen Pforte
exekutiert und amputiert er,
in Versen organisiert er
lexikalisches Wissen
aus dem Kontext gerissen;
wie KZ-Insassen
Metaphern in Massen
zur Vernichtung getrieben;
meine Dichtung wird siegen,
dessen bin ich sicher,
nur bringt sie keinen Frieden;
wessen ist der Unterpfand,
der von den Exzessen
wenigstens einige unterband?
Ich reinige den Tempel,
Ich steinige den Satan –
weise so wie Nathan!

Weltenseele oder Seelenmord,
Weltenbaum oder Lebensraum,
Perchtennacht oder Nacht der Macht? [3]
Pferchten wir nicht unbedacht
das dunkle Licht der Sagen
in ein Gedicht aus Unbehagen?

Weltenseele oder Seelenmord,
Weltenbaum oder Lebensraum,
Perchtennacht oder Nacht der Macht?
Pferchten wir nicht unbedacht
das dunkle Licht der Sagen
in ein Gedicht aus Unbehagen?

Ich erwachte und spuckte Blut,
mir war ich tanzte mit dem Melsemuth, [4]
dass der Beelzebub auf mich anhub
und ich seinen Betrug
erst im letzten Moment ausschlug,
als ich die Augen aufschlug,
war der Arabische Nachtmahr [5]
zwar aus den Gedanken,
doch im Unterbewusstsein
bar jeglicher Schranken
noch immer vorhanden;
so wie Oasen versanden
und Seen verlanden,
kam mir der Verstand
langsam abhanden;
Imam am Weltrand;
im irdischen Jammertal;
immer am Abgrund;
Pfahlbauten im Sumpf
menschlicher Unvernunft –
so schauten die ersten Verse
aus dem Morast;
Verve ward aus Unrast;
Friede auf dem Phantast;
der Diwan als Palast
und ich bin fortan dort zu Gast;
der Diwan als Palast
und ich bin fortan dort zu Gast!

Aus den Tiefen der Dichtungen:
Mekkanische Vernichtungen;
aus den Tiefen der Dichtungen:
Mekkanische Vernichtungen
vorgetragen von Abu Zeyneb
und begleitet auf der Rebek. [6]

Aus den Tiefen der Dichtungen:
Mekkanische Vernichtungen;
aus den Tiefen der Dichtungen:
Mekkanische Vernichtungen
vorgetragen von Abu Zeyneb
und begleitet auf der Rebek.

Das Leben und der Tod
sind wie ein Karneval auf dem Friedhof, [7]
soeben war man groß
dann ist man nur noch Abfall;
das Leben und der Tod
sind wie ein Karneval auf dem Friedhof;
ergeben unserem Los:
dem Thronsaal in Walhall;
das Mahnmal sei der Mahmal, [8]
Reliquie und Monstranz;
Kleptokratie der Monstra;
Khayruddin Barbarossa;
Tunis und Dscherba,
Algier und Ceuta;
Barbareskenstaaten;
Worte zu Fresken als Galeerensklaven;
Lepanto – uns zu alle testen; [9]
Umberto Eco zu Umberto Ghetto;
Katterfelto gab an wie Baudolino; [10]
das Leben und der Tod
sind kein Casino
sondern, ich sagte es bereits,
ein Karneval auf dem Friedhof;
das Diesseits und das Jenseits
dazwischen das lyrische Reich;
deshalb gibt nur im Abgleich
mit meinem Diwan
die Karte des Piri Reis [11]
ihre Geheimnisse preis!

Weltenseele oder Seelenmord,
Weltenbaum oder Lebensraum,
Perchtennacht oder Nacht der Macht?
Pferchten wir nicht unbedacht
das dunkle Licht der Sagen
in ein Gedicht aus Unbehagen?

Aus den Tiefen der Dichtungen:
Mekkanische Vernichtungen;
aus den Tiefen der Dichtungen:
Mekkanische Vernichtungen
vorgetragen von Abu Zeyneb
und begleitet auf der Rebek.

Du musst fasten,
wenn Du essen willst;
du musst wachen,
wenn du schlafen willst;
man wird dich schicken,
wohin du nicht willst…

Du musst fasten,
wenn Du essen willst;
du musst wachen,
wenn du schlafen willst;
man wird dich schicken,
wohin du nicht willst…
man wird dich schicken,
wohin du nicht willst… [12]



[1] „Ihn fasset weder Schlaf noch Schlummer“ aus dem Thronvers in der Rückert-Übersetzung.

[2] „Er der Lebendige, Beständige,“ auch aus dem Thronvers.

[3] „Nacht der Macht“ Rückert-Übersetzung für Laylatul-Qadr.

[4] “And then, of course, there were the executions, conducted in Mamluke times by a mechanized garrotting device called Melsemuth stationed outside the Bab al Zwayla. “To the delight of the assembled populace,” Balian narrates “Melsemuth was brought out from the royal treasury. Melsemuth was an automaton, a seven foot high brass doll powered with springs and coils. The condemned would be strapped to the doll, leg to leg, chest to chest, arm to arm. Then the doll, wound up, would begin its funny clockwork dance. The gestures and kicks would get wilder and wilder. Finally as the coils were running down, Melsemuth would garrotte its dancing partner and stop.” Andrew Beattie: “Cairo. A Cultural History” S. 108 zitiert wird allerdings aus Robert Irwin Roman, was das ganze ad absurdum führt.

[5] „Der Arabische Nachtmahr“ Roman von Robert Irwin.

[6] Mittelalterliches (auch orientalisches) Instrument.

[7] Ein Killah Priest Zitat:
“Life and Death is like a carnival in cemeteries
Ain't nobody left that's honorable they all been buried
The Chronicles, from Muhammad's schools to Gods name vary
Black people are the promised Jew's 'cause we lost already”

[8] Eine mittelalterliche muslimische Reliquie. Siehe den Eintrag „Der Mahmal“ auf diesem Blog.

[9] Bei der Seeschlacht von Lepanto am 7. Oktober 1571 konnten die christlichen Mittelmeermächte mit Spanien an der Spitze den ersten Sieg gegen das Osmanische Reich erzielen (Wikipedia). Davor finden sich Referenzen zum mittelalterlich-muslimischen Korsarentum im Mittelmeer.

[10] Gustav Katterfelto (oder Katerfelto) (* 1743; † 1799) war ein deutscher Zauberkünstler, wissenschaftlicher Referent und Quacksalber. (Wikipedia). Baudolino ist ein Roman von Umberto Eco und die Hauptfigur eben jenes Romans.

[11] Die Karte des Piri Reis ist eine osmanische Seekarte des Zentralatlantiks, die dem Admiral Piri Reis zugeschrieben und in ihrer Entstehung auf den Monat Muharram (9. März bis 17. April) des Jahres 1513 datiert wird. Sie befindet sich im Topkapı-Palast in Istanbul, in dessen Bibliothek sie 1929 für die historische Forschung entdeckt wurde. (Wikipedia)

[12] Eigentlich: „Wenn Du essen willst, musst Du fasten, wenn Du schlafen willst, wachen. Man wird dich schicken, wohin duch nicht willst. Du musst gehorchen und alle Leiden, die man die auferlegt, ertragen.“ Aufnahme-Gelübde der Malteser. Zitiert aus: Salvatore Bono, Piraten und Korsaren im Mittelmeer. Klett-Cotta 2009, S. 70
 

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